Bürgerversicherung – kommt Sie nun doch noch?

5.01.2018

Dass die SPD die sogenannte Bürgerversicherung zu einer Bedingung für eine neue Große Koalition macht, kristallisiert sich in letzter Zeit immer mehr heraus. Die Union hingegen hält nichts von einer Bürgerversicherung. Aber was würde denn die Einführung einer einheitlichen Krankenversicherung für alle bedeuten?

Für die SPD ist ein Hauptgrund dass Kassenpatienten und Privatpatienten angeblich ungleich behandelt werden und dies angeblich von vielen Menschen als ungerecht empfunden wird. Aber die Einführung einer Bürgerversicherung wird diese Ungleichbehandlung auf keinen Fall beenden. Denn die Erfahrungen aus anderen Ländern zeugen: Wer es sich leisten kann, der bezahlt gerne einen Aufschlag für bessere oder angenehmere Leistungen und Medikamente oder hat im Vorfeld eine Zusatzversicherung für solche Fälle abgeschlossen. Dem Gerechtigkeitsempfinden könnte natürlich eine Bürgerversicherung entgegenkommen. Alle zahlen in einem Topf ein und erhalten aus diesem Topf die gleichen Leistungen. Bessere Leistungen würde der aktuell jetzt gesetzlich Versicherte trotzdem nicht erhalten.

Auf der anderen Seite würde sich für viele, vor allem ältere Privatpatienten, denen ihre Versicherungsprämien zu hoch sind, eine Wechselmöglichkeit in die Bürgerversicherung eröffnen. Für diese Versicherten sicherlich eine attraktive Möglichkeit. Für die Gesetzliche Versicherung aber ein schlechter Deal. Alte und Kranke wechseln in die Gesetzliche Versicherung. Und dass die privaten Prämien steigen würden, kann als sicher gelten, da keine jungen, gesünderen Kunden mehr ins Versichertenkollektiv nachrücken könnten.

Nicht steigen, sondern eher sinken würde dagegen das Versorgungsniveau für alle Patienten, so warnen Ärzte und Ärzteverbände. Privatpatienten bringen den Praxen durchschnittlich mehr ein und finanzieren damit stark überproportional beispielsweise die Ausstattung oder das Personal. Von den Hightech-Geräten und -Verfahren und dem Personal profitieren am Ende des Tages aber auch alle Patienten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Gerechter ist eine Bürgerversicherung auf den ersten Blick sicherlich! Im zweiten Schritt können sich aber die „Reichen“ trotzdem eine bessere Versorgung kaufen und im dritten Schritt besteht die Gefahr dass das Leistungsniveau für alle trotzdem sinkt.

Des weiteren gilt zu beachten, dass viele Privatversicherte (vor allem Selbstständige) gar keine großen Leistungen in Anspruch nehmen, da sie eine hohe Selbstbeteiligung tragen müssen. Nach dem Wechsel in die Gesetzliche Versicherung könnten solche Menschen erst mal alles in Anspruch nehmen was möglich ist und so für hohe Kosten sorgen.

Viele solcher Punkte werden in der sehr emotional aufgeladen Diskussion vergessen und gehen im Gerechtigkeitsstreit einfach unter.

Mit freundlichen Grüßen
Jochen Reininger
Freier Finanz- und Versicherungsmakler

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